Wir über uns

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Christian Gilbert und Sigrid Baum (beide eng mit Frau Bähr befreundet) kamen zwar aus anderen Berufen, kannten solche Missstände jedoch aus ihrem freiwilligen sozialen Engagement und ließen sich dadurch für Frau Bähr’s Idee schnell begeistern.

Christian Gilbert brachte die finanziellen Möglichkeiten und das notwendige Organisationstalent für den Aufbau unserer Einrichtung mit und erwarb Ende 1991 den „Kastanienhof“ in Prezelle, der durch Zufall entdeckt wurde und sich für unser Vorhaben ideal eignete.

Frau Baum brachte kaufmännische, hauswirtschaftliche, gärtnerische und pflegerische Fähigkeiten mit ein. Letztere besonders durch die jahrelange Pflege ihres Multiple-Sklerose-kranken Ehemannes, welcher auf dem „Kastanienhof“ ebenfalls eine neue Heimat fand und von uns gemeinsam gepflegt und betreut wurde.

Mit Sack und Pack und Haushaltsgegenständen jeglicher Art aus drei verschiedenen Haushalten und vor allem mit Idealismus, Hoffnung und der Entschlossenheit unseren Traum zu verwirklichen, verließen wir unsere Allgäuer Heimat und begannen, den „Kastanienhof“ zu renovieren und für unsere zukünftigen Bewohner und Bewohnerinnen freundlich zu gestalten.

Die Heimerlaubnis erhielten wir erst nach 9 Monaten, so dass wir im ersten Jahr alle unentgeltlich arbeiteten, um das Projekt zu ermöglichen. Schon vor der Erteilung der Heimerlaubnis wurden die ersten Heimbewohner als Gäste bei uns aufgenommen. Sogar ein Baby wurde geboren und zusammen mit der Mutter von uns betreut.

Nach der offiziellen Eröffnung füllte sich unser Haus dann ganz schnell mit 7 betreuungsbedürftigen psychisch kranken Menschen, die auf Grund unterschiedlicher Defizite Hilfe zur Bewältigung des alltäglichen Lebens benötigten.

In den ersten beiden Jahren lebten wir mit unseren Heimbewohnern wie in einer Großfamilie zusammen.

Im weiteren Verlauf mussten wir erkennen, dass wir auch in unserer Freizeit ständig beansprucht wurden, so dass Abgrenzung äußerst schwierig und ein Energieauftanken innerhalb der Einrichtung nahezu unmöglich wurde. Die Konsequenz war eine räumliche Trennung.

Um unserem Anspruch einer bewohnerorientierten, ganzheitlichen und individuellen Betreuung gerecht zu werden, war es erforderlich, weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einzustellen, die mit uns zusammen bereit waren, jeden Bewohner und jede Bewohnerin unabhängig von eigenen Wertvorstellungen in seiner/ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, ihm/ihr zu einem lebenswerten Alltag zu verhelfen, bereits vorhandene Fähigkeiten und Interessen zu fördern, neue Tätigkeiten mit ihm zu erproben, seine/ihre Selbständigkeit zu fördern und  Zuwendung und Geborgenheit zu vermitteln.

Um die Zukunft unseres Projektes auch auf lange Sicht zu sichern, errichtete unser mittlerweile verstorbene Freund Herr Gilbert, 1998 die gemeinnützige Stiftung Kastanienhof, deren Zweck es vor allem ist, Personen, die infolge ihrer seelischen Behinderung auf die Hilfe anderer angewiesen sind, selbstlos zu fördern und das öffentliche Gesundheits- und Wohlfahrtswesen zu unterstützen.

Das Heim „Kastanienhof“ ist Bestandteil des Stiftungsvermögens.

1999 wurde die Stiftung Kastanienhof korporatives Mitglied der AWO, um eine Anbindung an größere Träger der freien Wohlfahrtspflege herzustellen.

2002 entstand mit Hilfe von Spendengeldern der Aktion Mensch in einem Nebengebäude eine Wohntrainingseinheit für drei Personen, in der an noch vorhandenen alltagspraktischen Schwierigkeiten ganz gezielt gearbeitet wird, um auf ein Leben außerhalb der Einrichtung in weniger betreuten Wohnformen vorzubereiten.

Seit Oktober 2003 bieten wir auch ambulantes betreutes Wohnen an. Ein nicht unwichtiger Aspekt für die Schaffung dieses Angebotes war der Wunsch dreier ehemaliger Heimbewohner, von uns stundenweise ambulant in ihren eigenen Wohnungen weiter betreut zu werden.

Derzeit leben 11 Heimbewohner und Bewohnerinnen im Haupthaus, drei weitere werden in der dem Wohnheim angegliederten Wohntrainingsgruppe gezielt auf ihren Auszug vorbereitet.